Risiken und Nebenwirkungen des Naildesigns - Nailart & Naildesign
Tragen Sie während der Arbeit Mundschutz und Handschuhe? Nutzen Sie eine Staubabsaugung? Gut, denn dadurch verringern Sie ein Risiko, das schlimmstenfalls das berufliche Aus bedeuten kann: die Entwicklung einer Allergie. Doch nicht nur Naildesigner sind gefährdet, auch Kunden können allergisch auf Produkte aus der Nagelindustrie reagieren.
Grundsätzlich sind zwar alle Produkte, die zur Verschönerung und zur Pflege von Händen und Nägeln im Studio eingesetzt werden, gesundheitlich unbedenklich, aber einige Inhaltsstoffe können unter Umständen für Allergiker problematisch werden. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem nach einer Sensibilisierungsphase, die Tage, Monate oder Jahre dauern kann, plötzlich auf körperfremde Substanzen, die eigentlich harmlos sind und keine Gefahr für die Gesundheit darstellen. Prinzipiell kann daher jeder Stoff aus unserer Umwelt eine Allergie auslösen – diverse Nahrungsmittel, Blütenpollen, Tierhaare und Tausende natürliche und synthetische Chemikalien, denen wir im Alltag begegnen. Bei ca. 20.000 Substanzen ist eine allergene Wirkung bekannt. Allergische Symptome können an den Augen, den Atemwegen, dem Magen-Darm-Trakt und der Haut auftreten. Bei besonders heftigen allergischen Reaktionen, bei denen mehrere Symptome zugleich auftreten und den gesamten Organismus betreffen, spricht man von Anaphylaxie. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich und erfordert sofortige ärztliche Hilfe
In Nagelstudios besteht vor allem das Risiko von Kontaktallergien, die sich in erster Linie als Hautirritationen an den Fingern und Händen zeigen. Sind beispielsweise nur die Nagelhaut und die Fingerspitzen betroffen und schreitet die Hautirritation nicht über das Fingergelenk hinaus fort, kann der Auslöser in einem Nagelpflegeprodukt stecken. Klarheit bietet aber erst ein Allergietest.
Allergene in Nailprodukten
Die Gefahr von Allergien gehört zum Berufsrisiko aller Naildesigner.
Egal, ob mit Wraps, Pulver-Flüssigkeit oder Gel gearbeitet wird – die in den Produkten enthaltenen Chemikalien können theoretisch eine allergische Reaktion hervorrufen, sowohl bei den Kunden als auch bei den Naildesignern selbst.
Hinsichtlich des allergenen Potentials gibt es allerdings Unterschiede. So wird beispielsweise beim Pulver-Flüssigkeit-System dem Monomer im Liquid ein weitaus höheres allergenes Potential zugesprochen als dem Pulver. Auch lichthärtende Kunststoffe, sprich Gele, können – hauptsächlich in flüssiger Form – Allergien auslösen. Von vollständig ausgehärteten Modellagekunststoffen geht zwar so gut wie keine Gefahr mehr aus, trotzdem gilt es zu bedenken, dass nach einer Neumodellage in den Feilrückständen von Pulver-Flüssigkeit-Modellagen und im Dispersionsfilm auf Gelmodellagen durchaus noch ungebundene Inhaltsstoffe vorhanden sind.
Verbesserte Formulierungen der Modellagekunststoffe haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, das Allergierisiko zu senken. Anfänglich enthielten z.B. Kunststoffe für Pulver-Flüssigkeit-Modellagen Methylmethacrylate (MMA) und es wurde häufig von allergischen Reaktionen berichtet. Bei Trägerinnen von Kunstnägeln entwickelten sich schmerzhafte Paronychien und auch Onycholysen. Die auftretenden Nagelveränderungen konnten monatelang andauern oder sogar zu permanenten Schäden an der Matrix führen. Daraufhin wurden die Formulierungen von Pulver-Flüssigkeit-Produkten überarbeitet. Ein neuer Grundstoff wurde verwendet, Ethylmethacrylat (EMA), um das allergene Potential zu senken.
Untersuchungen bestätigten, dass dieser Inhaltsstoff unbedenklich ist, solange bei der Verarbeitung Hautkontakt vermieden wird. Bei unvorsichtigem Umgang damit besteht also nach wie vor ein gewisses Allergierisiko.
Formaldehyd, das zu geringen Anteilen in einigen Nagelhärtern und weiteren Nagelprodukten zu finden ist, kann ebenfalls allergische Reaktionen hervorrufen. Es ist einer der häufigsten Auslöser von Allergien im Zusammenhang mit Maniküren und Naildesign.
Duft- und Konservierungsstoffe, die in Kosmetikprodukten wie z.B. Handcremes enthalten sind, bereiten Allergikern ebenfalls häufig Probleme.
Der entstehende Feilstaub sowie die Dämpfe, egal ob beim geruchsintensiven Pulver-Flüssigkeit-System oder dem fast geruchlosen Gel-System, bergen ebenfalls ein gewisses Risiko.
Erste Anzeichen erkennen
Bei einer bestehenden Kontaktallergie auf Produkte aus der Nagelindustrie zeigen sich die Symptome selten sofort nach dem Kontakt mit dem Allergen. Meist vergehen ein bis zwei Tage, bis deutliche Irritationen erkennbar sind. Es gibt jedoch Anzeichen, die auf einen bevorstehenden Allergieschub hindeuten:
Drücken und Pochen. Ein frühes Symptom für eine allergische Reaktion auf Nagelprodukte ist ein unangenehmes Druckgefühl in den Fingerspitzen. Wenn sich Ihre Kunden nach einer Pflegebehandlung die Naturnägel drücken – egal ob vertikal oder horizontal oder beides – ist das Anlass zur Sorge. Vor allem wenn die Kunden auch noch über ein unangenehmes Pochen in den Fingerspitzen klagen. Allerdings können diese Symptome auch durch zu aggressives Feilen hervorgerufen werden. Diese anfänglichen Irritationen klingen oft bereits nach kurzer Zeit wieder ab, sie sind aber nicht normal. Jede ungewöhnliche Beschwerde sollte daher ernst genommen werden. Es gilt dann, schonender und vorbeugender zu arbeiten. Das kann bedeuten, dass bei der Modellage oder Maniküre erhöhte Sorgfalt notwendig ist oder sogar die Modellage- oder Naturnagelpflegeprodukte gewechselt werden müssen. Zusätzlich müssen beide – Naildesigner und Kunde – genau beobachten, ob es weitere Anzeichen für eine allergische Reaktion gibt.
Rötungen und Juckreiz. Typisch für eine allergische Hautreaktion sind Rötungen und/oder Juckreiz. Dieses Phänomen kann sogar mit einer Onycholyse gepaart sein. Kurzzeitige Rötungen im Bereich der Nagelhaut gehen gewöhnlich dem Juckreiz voraus. Besteht die Allergie auf den auslösenden Stoff bereits seit geraumer Zeit, können die Symptome lange anhalten. Das Jucken kann mitunter so heftig sein, dass man dadurch nachts um den Schlaf gebracht wird. Selbst eine ganz leichte Rötung kann ein Anzeichen eines beginnenden Allergieschubs sein. Achten Sie auf etwaige Beschwerden Ihrer Kunden und auf Aussagen, wie „Meine Haut wirkt irgendwie aufgeschwemmt“ oder „Meine Finger haben sich letzte Woche wund angefühlt“. Das kann auf das Anfangsstadium einer Allergie hindeuten.
Trockene Nagelhaut. Ein weiteres Anzeichen einer möglichen Allergie auf Nagelpflegeprodukte ist extrem trockene Nagelhaut. Wenn man hier nicht rechtzeitig reagiert, kann sowohl die Nagelhaut als auch das umliegende Gewebe schmerzhaft einreißen. Tiefe Rhagaden und Risse bergen die Gefahr weiterer Infektionen.
Onycholyse. In seltenen Fällen führt eine Allergie auf Nagelprodukte auch dazu, dass sich der Nagel vom Nagelbett löst. Der Schweregrad ist variabel. Anfangs löst sich der Nagel nur ein klein wenig und die Veränderung ist relativ unauffällig – die natürliche Smile Line wirkt etwas flacher oder das Hyponychium scheint gerader zu sein als bisher. Des Weiteren kann die Onycholyse auf ein oder zwei Nägel beschränkt sein. Meist weisen die Kunden keine weiteren Symptome auf, die typisch für eine Allergie wären. Das Fehlen weiterer Symptome lässt Betroffene irrtümlich glauben, dass es sich dabei um ein kleines, vernachlässigbares Problem handelt. Unbehandelt kann es jedoch zum Verlust des Nagels führen, daher sollte unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden. Führen Sie keine Modellagen an Kunden durch, die Anzeichen einer Onycholyse aufweisen.
Da meist Traumata die Ursache einer Onycholyse sind, sollten Sie Ihre Kunden fragen, ob sie in den letzten Wochen oder Monaten mit den Nägel irgendwo hängengeblieben sind oder sich anderweitige Verletzungen zugezogen haben.
Nesselsucht (Urtikaria). Bilden sich Wasserbläschen an der Nagelhaut, ist das ein sehr deutliches Zeichen für eine Allergie. Bläschenbildung und Quaddeln an den Händen sind ernstzunehmende Symptome einer heftigen allergischen Reaktion. Sollte etwas Derartiges auftreten, müssen Sie Ihre Kunden unbedingt sofort zum Arzt schicken. Verzichten Sie auf eine Behandlung dieser Kunden, entfernen Sie auch nicht die Modellage, zumindest nicht ohne ärztliche Erlaubnis oder Aufforderung.
Vorbeugung
Der beste Schutz vor Allergien besteht darin, den Kontakt mit allergenen Stoffen zu vermeiden. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, vor allem wenn man als Naildesigner von Berufs wegen tagtäglich mit Modellagematerialien und diversen Nagelpflegeprodukten arbeitet. Allerdings kann man vorbeugende Schutzmaßnahmen treffen, um die Gefahr zu minimieren, eine Allergie auf bestimmte Substanzen zu entwickeln.
Eine hygienisch einwandfreie und umsichtige Arbeitsweise ist mit der beste Schutz. Das Tragen von Handschuhen sollte selbstverständlich sein, aber meiden Sie Latexhandschuhe, da diese selbst Allergien auslösen können, vor allem die gepuderte Variante. Besser sind Handschuhe aus Nitril oder Vinyl. Mundschutz und Staubabsaugung mindern ebenfalls das Allergierisiko.
Denken Sie auch an den Schutz Ihrer Kunden. Sehr wichtig ist, den Hautkontakt mit unausgehärteten Modellagematerialien zu vermeiden, damit es nicht zu einer Sensibilisierung kommt. Wenn man nämlich erst einmal eine Allergie auf einen bestimmten Stoff entwickelt hat, bleibt diese in der Regel dauerhaft bestehen. In solch einem Fall hilft nur der Wechsel auf ein anderes Modellagesystem oder auf andere Pflegeprodukte, die diesen Stoff nicht enthalten.
Im Beratungsgespräch, vor allem bei Neukunden, sollten Sie nachfragen, ob die Kunden bereits an Allergien leiden oder in der Vergangenheit Probleme mit bestimmten Stoffen hatten. Falls ja, müssen Sie die Produkte darauf abstimmen und besonders vorsichtig arbeiten, um eine mögliche allergische Reaktion weitestgehend auszuschließen. Einige Firmen bieten inzwischen auch spezielle Gele für Allergiker an. Sollten Sie Anzeichen für allergische Reaktionen entdecken, schicken Sie die Kunden sofort zum Arzt und unterlassen Sie bis auf Weiteres jegliche Behandlung.
Die Gefahr einer Allergie gehört leider zu den Risiken und Nebenwirkungen des Naildesigns, doch wer die Sicherheitstipps beachtet (siehe Kasten), kann diese Gefahr für sich und seine Kunden so gering wie möglich halten.
Sicherheitstipps
- Führen Sie an Kunden, die offensichtliche Anzeichen einer Allergie rund um ihre Nägel aufweisen, keine Modellage durch und verzichten Sie vorsichtshalber auch auf weitere Pflegeprodukte.Falls Ihnen bekannt ist, dass Kunden in der Vergangenheit auf gewisse Produkte allergisch reagiert haben, sollten Sie diese und ähnliche Produkte nicht mehr bei ihnen anwenden.
- Entfernen Sie nicht die Modellage, wenn eine Kundin eine deutliche allergische Reaktion zeigt – schicken Sie die Kundin sofort zum Arzt.
- Berühren Sie nie den Pinselbesatz und vermeiden Sie Hautkontakt mit unausgehärteten Materialien wie Gel oder Liquid, aber auch Resin oder Kleber.
- Lassen Sie niemals Kleber auf die Nagelhaut oder in den Nagelfalz laufen, wenn Sie Wraps oder Tips kleben.
- Arbeiten Sie das Pulver-Flüssigkeit-System nicht zu feucht. Hat der Pinsel zu viel Liquid aufgesogen, kann der Monomer auf die umliegende Haut gelangen.
- Arbeiten Sie Modellagematerialien nicht zu nahe an die Nagelhaut.
- Arbeiten Sie mit Handschuhen und Mundschutz. Verwenden Sie keine Latexhandschuhe, da diese durchlässig für einige allergene Stoffe sind und auch selbst eine Allergie auslösen können (Latexallergie).
- Tragen Sie während der Arbeit möglichst langärmelige Kleidung, um Ihre Haut vor übermäßigem Kontakt mit Feilstaub zu schützen.
- Setzen Sie eine Staubabsaugung ein.
- Halten Sie sich an die Hygienevorschriften und entsorgen Sie täglich den Müll aus dem Studio
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